Informationen zum First Responder-Dienst der Feuerwehr Rückersdorf


Was bedeutet First Responder?

First: Erste/Zuerst
Respond: Antwort

First Responder sind Feuerwehrmitglieder, welche bei medizinischen Notfällen zuerst reagieren und am Einsatzort vor Rettungsdienst und Notarzt eintreffen. First Responder, als qualifizierte Nothelfer mit entsprechender Ausrüstung, sollen bei medizinischen Notfällen die Zeit vom Eintreten des Notfalls bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes, das sog. therapiefreie Intervall, überbrücken. Sie sollen also, und das sei hier ausdrücklich betont, keine Konkurrenz zu den Rettungsorganisationen sein, sondern eine Ergänzung. Denn jede Minute kann Leben retten!


Ein Großteil der Sanitäter Anfang 2016 mit den Kommandanten und dem Feuerwehrarzt

Bei vielen Notfällen spielt eine schnelle qualifizierte Versorgung eines Patienten eine besonders große Rolle. So sinken z.B. bei Herzinfarktpatienten (die häufigste Todesursache in Deutschland!), deren Herz in ein so genanntes Herzkammerflimmern gerät, die Überlebenschancen pro Minute um 7 - 10%, wenn nicht rechtzeitig Hilfe geleistet wird. Gerade im ländlichen Bereich hat der Rettungsdienst oft lange Anfahrtszeiten und Ersthelfer fühlen sich nicht sicher, so dass es für Patienten unter Umständen zu spät sein kann, bis der Rettungswagen eintrifft. Die First Responder Einheiten unterstützen hier die Rettungskette, indem sie eben diese schnell benötigte, qualifizierte Hilfe mit dem entsprechenden Gerät stellen und die Patienten anschließend an den Rettungsdienst übergeben. Die First Responder sind Feuerwehrdienstleistende und gehören als Teil der Aktiven Wehr zur Freiwilligen Feuerwehr Rückersdorf.

Warum gibt es in Rückersdorf eine First Responder-Einheit?

Es gibt zwar zwei Rettungswachen in Lauf, jedoch sind die dort stationierten Fahrzeuge häufig unterwegs und der Rettungswagen muss dann aus Schnaittach oder Nürnberg kommen. Dies kann durchaus 15 Minuten und länger dauern. Eine notwendige schnelle Hilfe ist deshalb nicht immer garantiert! Auch in Nürnberg, einer Großstadt, in der das Rettungsdienstsystem vermeintlich gut ausgebaut ist, unterhält die Berufsfeuerwehr daher First Responder Einheiten. Auch hier sind die Anfahrtswege und die Überbrückung des therapiefreien Intervalls entscheidend für den Einsatz der Feuerwehr.
Auf dem Land sind die Anfahrtswege meist noch länger als in der Stadt. Die schnelle Erstversorgung durch die First Responder macht daher auf jeden Fall Sinn. Dies wird besonders bei dem Einsatz des Defibrillators deutlich. Durch dessen frühzeitigen Einsatz konnten schon Menschenleben gerettet werden. Denn gerade hierbei zählt jede Sekunde!

Ein weiteres Einsatzfeld ist der Notarztzubringer. Sobald der bodengebundene Notarzt nicht verfügbar ist, wird sehr häufig der Notarzt des Rettungshubschraubers eingesetzt. Dieser kann allerdings meist nicht direkt am Einsatzort landen, so dass die Besatzung erst dorthin transportiert werden muss. Dies übernimmt in vielen Fällen der First Responder, so dass eine schnelle notärztliche Versorgung sichergestellt wird. Wie wichtig diese Einheit insbesondere für die Rückersdorfer Bevölkerung und teilweise auch darüber hinaus ist, zeigen die Einsatzzahlen, die seit der Indienststellung kontinuierlich steigen.

Wie sind die First Responder organisiert?

Zurzeit werden 15 Feuerwehrmänner mit entsprechender Zusatzqualifikation als Sanitäter eingesetzt. Ihre Alarmierung erfolgt direkt über die Integrierte Leitstelle (ILS) Nürnberg. Als Einsatzfahrzeug steht ein in Eigenleistung umgebauter Ford Focus zur Verfügung. Bestückt ist das Fahrzeug mit einer umfangreichen Notfallausrüstung, mit der auch erweiterte Erste Hilfe geleistet werden kann. Der Einsatz der First Responder erfolgt rein ehrenamtlich und kostenfrei. Ohne die im Vorfeld erhaltenen Spenden hätte das System nicht realisiert werden können. Zur Deckung der laufenden Kosten sind Spenden jederzeit willkommen.


Als Einsatzfahrzeug steht den First Respondern ein Ford Focus Kombi zur Verfügung, auf dem das erforderliche Material verlastet ist.

Ausrüstung der First-Responder Rückersdorf

Die Sanitätsausrüstung der Rückersdorfer First Responder beinhaltet alle erforderlichen Gerätschaften. Auf dem eigenen Einsatzfahrzeug wird ein Notfallrucksack, eine Notfalltasche mit Sauerstoffflasche, ein Absauggerät und ein automatischer externer Defibrillator (AED) mitgeführt.  Auf dem Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF) stehen zusätzlich Schaufeltrage, Schleifkorbtrage, Spineboard, Rettungsboa und ein KED-System zur Verfügung.
Mit der vorhandenen Ausrüstung können alle notwendigen Erstmaßnahmen durchgeführt werden.



Notfallrucksack

Automatischer externer Defibrillator (AED)

Kernstück der Ausrüstung ist ein automatischer externer Defibrillator (Defi), der z.B. bei Patienten mit Herzkammerflimmern eingesetzt werden kann. Früher war die Anwendung eines Defi ausschließlich einem Arzt vorbehalten. Bei den Geräten der neuesten Generation analysiert das Gerät jedoch automatisch, ob ein Schock sinnvoll ist oder nicht. Dadurch ist es möglich, Elektroschocks durch medizinische Laien auszulösen. Um eine Wiederbelebung allerdings erfolgreich durchführen zu können, ist neben dem Gerät noch eine gründliche Helferausbildung nötig.


Herz-Lungen-Wiederbelebung mit AED-Einsatz (Szene gestellt)

Ausbildung der First Responder Rückersdorf

Die Ausbildung der Feuerwehrsanitäter soll sich grundsätzlich an den Aufgaben als Ersthelfer orientieren und auf medizinische Hilfeleistungen beschränken, wie Beurteilung der Vitalfunktionen, Behandlung von Vitalfunktionsstörungen und sonstige Erste-Hilfe-Maßnahmen. Jedenfalls gehört zu den Pflichtinhalten die Basisreanimation inkl. der Anwendung automatisierter externer Defibrillatoren (AED), einfaches Atemwegsmangagement und Beatmung mit Hilfsmitteln, Sauerstoffapplikationstechniken sowie Maßnahmen der Blutstillung und Lagerung inkl. der Immobilisation der Halswirbelsäule. In der Ausbildung wird der Schwerpunkt auf Praxistraining und Fallbeispiele gelegt. Die Ausbildungsdauer im Rahmen o.g. Grundqualifikation beträgt 80 Stunden und entspricht der Sanitätsdiensthelferausbildung. Einige Sanitäter haben darüber hinaus die Ausbildung als Rettungssanitäter bzw.- assistent abgeschlossen.

Fortbildung
 
Weitere praktische und theoretische Fortbildungen besuchen die Feuerwehrsanitäter regelmäßig bei den Hilfsorganisationen, wo sie auch ihre Rettungsdienst-Praktiken absolvieren. Der Rückersdorfer Not- und Feuerwehrarzt Dr. Knud Braeske begleitet regelmäßig die praktischen Weiterbildungen auf Standortebene. Hier kann speziell unter ärztlicher Anleitung auf örtliche Belange eingegangen werden. Ihm obliegt auch die Aufgabe, eine ärztliche Qualitätskontrolle vorzunehmen.